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*Ein neues Erklärungsmodell zum Thema Borderline und Borderline-Beziehung*

Die Borderline Persönlichkeitsstörung ist eine facettenreiche Störung, die schwer zu verstehen ist, wenn man sie nur anhand von äußerlich sichtbaren Symptomen zu erklären versucht.

Aufgrund meiner langjährigen intensiven Forschung und praktischen Erfahrung durch die Arbeit mit Borderlinern, sowie deren Partnern und Angehörigen, habe ich ein Erklärungsmodell erarbeitet, welches diese Störung um einiges einfacher zu verstehen macht. Anhand dieses Erklärungsmodells wird auch ersichtlich, wieso die Beziehung mit einem Menschen der an Borderline leidet, so intensiv sein kann und wieso es so schwer und schmerzhaft ist, sich aus dieser Bindung zu lösen.

Was wissen wir über äußerlich sichtbare Symptome der Borderline Persönlichkeitsstörung?

- Borderliner sind instabil in ihren Gefühlen und sprunghaft in ihren Gedanken
- Borderliner verhalten sich manchmal irrational und reagieren auf eine Art und Weise, die nur schwer       verständlich ist, da die Reaktion im Vergleich zur auslösenden Situation unangemessen heftig ist.
- Borderliner bedienen sich primärer Abwehrmechanismen wie z.B. der Spaltung, die von Idealisierung und  Abwertung unterstützt wird, ergo die Welt wird in schwarz-weiß geteilt.
- Borderliner haben Schwierigkeiten ihre Emotionen zu regulieren.
- Mit einem Borderliner ist es schwer langfristig zu planen.
- Borderliner sind sehr kreativ und meistens sehr intelligent.
- Borderliner haben eine bildhafte Ausdrucksweise.
- Borderliner können sich innerhalb Sekunden haargenau auf ihr Gegenüber einstellen.
usw.

Was wissen wir über den Anfang einer Beziehung mit einem Borderliner?

- Der Beginn einer Beziehung mit einem Borderliner ist ausgesprochen intensiv und emotional.
- Der Partner hat das Gefühl seinen Seelenverwandten gefunden zu haben.

- Der Partner fühlt sich angekommen zu sein und „die Liebe seines Lebens“ gefunden zu haben.
- Der Partner fühlt sich sehr glücklich, geliebt und angenommen.
- Der Partner fühlt sich symbiotisch verbunden mit dem Borderliner.
usw.

Nach dieser schönen Phase der Beziehung, fängt die „Borderline Dynamik“ an, welche den Partner zur Verzweiflung bringen kann. Das Verhalten und die Reaktionen des Borderliners werden unverständlich und nicht nachvollziehbar.

In weiteren Verlauf der Borderline-Beziehung gibt es viele Trennungen und erneute Annäherungsversuche. Jede Trennung des Borderliners scheint zunächst für immer zu sein. Irgendwann mal ist es dann so weit und die Trennung findet tatsächlich dauerhaft statt.

Was wissen wir über die Trennung von einem Borderliner?

Das Ende einer Beziehung zu einer Borderline-Persönlichkeit ist mit einem „normalen“ Beziehungsende nicht zu vergleichen. Es ist ein „Ausnahmezustand der Psyche“. Der Partner empfindet die Trennung und den Verlust wie ein inneres Sterben. Der Partner wird meistens abrupt verlassen. Der plötzliche Abbruch und die eiskalte Art und Weise machen die Trennung besonders schmerzhaft. Man fühlt sich ausgebrannt und leer. Zweifel, Ängste und Schuldgefühle quälen. Im Wechsel mit der Hoffnung treten Verzweiflung, Wut auf den/die Partner/in und Wut auf sich selbst auf. Ein Wechselbad der Gefühle.
Auch wenn man selbst die Entscheidung getroffen hat, sich von dem Borderline-Partner zu trennen, ist es nicht einfach. Oft kommen Schuldgefühle auf, den „kranken“ Partner im Stich gelassen zu haben. Außerdem, genau wie oben, das Gefühl völlig ausgebrannt zu sein, Trauer um die Beziehung und, obwohl man weiß, dass diese Beziehung nicht gut tut, scheint es immer noch ein Kraftakt zu sein, die Trennung aufrecht zu erhalten und nicht doch wieder zum Borderline-Partner zurück zu kehren.


Viele Partner berichten, dass sie solch einen Schmerz zuvor noch nie empfunden haben auch wenn sie wissen dass diese Beziehung Ihnen grundsätzlich nicht gut tut, würden sie in der Trennungsphase alles (auf)geben um den Borderliner zurück zu gewinnen um diesen unerträglichen Schmerz zu lindern.

Es ist bekannt, dass die attraktiven Eigenschaften und der Charme der von der Borderlinestörung betroffenen Menschen faszinierend sind. Genau das spricht die Defizite und eigenen Schwachpunkte eines Partners an, weshalb es für ihn sehr schwer ist, dem zu widerstehen. Ein Borderliner kann sich, aufgrund seiner stark empathischen Wahrnehmung, sehr gut und ganz genau auf einen Menschen einstellen. Da er auf der Suche nach einer Identität ist, identifiziert er sich innerhalb kürzester Zeit mit dem potentiellen Partner.

Warum ist es so?

Das Strukturmodell der Psyche ist ein von Sigmund Freud beschriebenes Modell der Psyche des Menschen. Danach besteht sie aus drei Instanzen mit unterschiedlichen Funktionen: dem Es, dem Ich und dem Über-Ich. Das Modell wird als „Drei-Instanzen-Modell“ bezeichnet.

Das Es ist von Geburt an existent und wird durch das Lustprinzip gesteuert. Alle lustvoll erlebten Aktivitäten bedürfen sofortiger Befriedigung, ohne Berücksichtigung der momentanen Situation. Die Vorgänge im Es laufen unbewusst ab, es stellt den Sitz für Eros, den Liebestrieb, und Thanatos, den Todestrieb, dar.

Das Über-Ich stellt das Gewissen und die Moral des Menschen dar. Es kann mit einem Richter verglichen werden und wird während der Erziehung durch Sozialisation und die Verinnerlichung von Werten und Normen gebildet. Das Über-Ich ist der Gegenspieler des Es. In ihm befinden sich bewusste, vorbewusste und unbewusste Anteile.

Das Ich stellt das Realitätsbewusstsein dar und ist stets um Unabhängigkeit bemüht: das "Ich" ist der Vermittler zwischen den Trieben des Es und den Werten und Normen des Über-Ich unter Berücksichtigung der Realität. Wenn nicht gerechtfertigte Wünsche von Es und Über-Ich abgewehrt werden sollen, greift das Ich auf Abwehrmechanismen zurück. Das Ich enthält bewusste und unbewusste Anteile.

Zu den Elementen des Ichs zählt man in erster Linie die Bewusstseinsleistungen des Wahrnehmens, des Denkens und des Gedächtnisses. Zum Ich zählt man in weiterentwickelten psychoanalytischen Theorien auch das Ich-Gewissen (die vom Ich kritisch und selbstkritisch geprüften handlungsleitenden moralischen Prinzipien, Werte und moralischen Einzelnormen aus dem Über-Ich und aus den Ansprüchen der sozialen Umwelt) sowie die Vorstellungen über die eigene Person, das Selbstbild bzw. Selbst.

Wer als Kind das Glück hatte, sich gesund zu entwickeln, der hat schließlich ein reifes Ich, ein reifes Überich und einen guten Kontakt zum „Es“. Diese Ich-Reife ermöglicht, dass man mit seinen Emotionen gut umgehen kann. Man wird nicht von eigenen Affekten beherrscht, sondern kann sich selbst steuern.

Die Erfassung des Strukturniveaus einer Persönlichkeit lässt eine erweiterte Beschreibung psychischer Störungen zu, über die Konfliktpathologie – also die Unfähigkeit, unbewusste Konflikte adäquat lösen zu können – hinausgehend. Auf Kernberg geht die Unterscheidung in ein hohes, mittleres und niedriges Strukturniveau zurück, womit jeweils ein unterschiedlicher Entwicklungsstand bzw. Reifegrad der psychischen Funktionen und der Persönlichkeitsstruktur eines Menschen beschrieben wird.

Was sind "Strukturelle Störungen“?

Menschen mit strukturellen Störungen erleben sich so, als sei in ihrer psychischen Struktur etwas nicht in Ordnung, als sei ihr inneres Gerüst nicht stabil. Diese Instabilität wird im Umgang mit sich selbst und mit anderen spürbar. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, sich dauerhaft als ganze, zusammenhängende Person zu erleben, das Bild von sich selbst ändert sich häufig, das Gefühl für die eigene Identität ist schwach und leicht störbar. Strukturelle Störungen lassen sich auch daran erkennen, dass die Betroffenen Mühe haben, die eigenen Emotionen und Impulse zu steuern, sie sind teils impulsiv, dann wieder total gehemmt, Selbstkritik wird gleich selbstbestrafend, starke Gefühle können schwer ausgehalten werden. Sie neigen dazu, diese starke Erregung bzw. Anspannung möglichst schnell loszuwerden und auszuagieren. Dies kann mittels eines gereiztem und wütenden Verhalten, süchtigen Verhalten oder auch über  Selbstverletzungen etc. geschehen. All dies macht es schwer, das innere Gleichgewicht aufrecht zu erhalten – es braucht ständiges Bemühen, sie kommen selten zur Ruhe.
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine, und sicher die bekannteste Form struktureller Störungen.

Quelle:Helios Kilinik Bad Grönenbach

Der Mensch entwickelt sich in Phasen (Psychosexuelle Entwicklung nach Freud):
Freud teilt die Entwicklung in sechs Phasen ein, die hintereinander ablaufen:

Orale Phase - 1. Lebenshalbjahr
Narzisstische Phase - 2. Lebensjahr
Anale Phase - 2.-3. Lebensjahr
Phallische Phase (Ödipale Phase) - 4.-5. Lebensjahr
Latenzphase - 6.-7. Lebensjahr

Die Borderline-Störung entsteht bis zum Ende der analen Phase (Ungelöste präödipale Konflikte). In diesen Phasen ist das „Ich“ noch nicht entwickelt und der Mensch unterliegt der „Spaltung“ als Abwehrmechanismus. Dieser Mechanismus ist für nicht ausgereiftes „Ich“ notwendig um die Seele zu schützen.

Erst mit dem Beginn der phallischen (ödipalen) Phase, beginnt ein Mensch sein „Ich“ zu formen und entwickelt die reiferen Abwehrmechanismen wie z.B. Verdrängung. Das heißt, man lernt die belastenden Erfahrungen in das Unterbewusste zu verdrängen, was dann auch Stück für Stück verarbeitet werden kann.

Die Borderline Persönlichkeit hat den reiferen Abwehrmechanismus nie erlernen können und bleibt emotional auf der zuvor beschriebenen Entwicklungsstufe stehen.

Das Unterbewusste

Das Unterbewusstsein ist mit gutem Grund unterbewusst. Alles was Du jemals erlebt und wahrgenommen hast, ist in Deinem Unterbewusstsein abgespeichert. Dem Unterbewussten ist die Logik des Verstandes fremd, daher reagiert es oft instinktiv.

Das Unterbewusste:

  • Das Unterbewusste kann nicht zwischen Phantasie und Wirklichkeit unterscheiden.
  • Das Unterbewusste lässt sich von Symbolen, Ritualen und starken Bildern, die viel Gefühl beinhalten, ansprechen.
  • Eher als die Sprache der Worte versteht das Unterbewusstsein die Sprache der Bilder. Deswegen nimmt es uns wörtlich – „Ironie“ und "Meinung" sind ihm fremd
  • Das Unterbewusstsein lenkt zusammen mit den Emotionen auch den Großteil unserer Entscheidungen
  • In dem Unterbewussten wird alles abgespeichert: was wir erleben, was wir zu erleben glauben und was wir fühlen. Auch die Zeit vor der Geburt landet genau hier.
  • Dem Unterbewussten ist die Logik des Verstandes fremd.
  • Es gibt keine Unterscheidung zwischen positiven und negativen Gedanken.
  • Das Unterbewusstsein hat kein Zeitgefühl.

Es gibt sehr viel mehr Menschen, die Angst vor dem Unbewussten haben, als man erwarten würde. Sie haben schon Angst vor dem eigenen Schatten. Kommt man gar zu Anima und Animus, so steigert sie sich zur Panik.
C.G. Jung

Mit der Entwicklung des „Ichs“, bildet sich ein s.g. fakultativer/kritischer Filter zwischen den Bewussten und Unterbewussten. Ohne diese Filterfunktion wären wir schlichtweg überfordert. Wir müssten alle Informationen, die konstant durch unsere fünf Sinne auf uns einprasseln, einzeln bewerten und in Relation zueinander setzen. Dies ist eine Aufgabe die wir nur anhand unserer Vorfilter meistern können.

Bewusste und unterbewusste Wahrnehmung unterscheiden sich stark. Durch diesen Filter, werden die Informationen „kontrolliert“ / gefiltert und gelangen nicht direkt in das Unterbewusste.

Das Unterbewusstsein verarbeitet äußere Eindrücke und Stimuli und reagiert darauf ein Paar Sekunden schneller (Libet-Experiment / Prof. Benjamin Libet) als das Bewusstsein. All unseren bewussten Entscheidungen gehen immer Entscheidungen unseres Unterbewusstseins voraus. Das Unterbewusstsein ist intelligent. Wäre all Ihr Wissen in Ihrem Bewusstsein, würden Sie wahnsinnig werden. Deshalb ist der Schutzfilter da.

Man kann sich das ungefähr so vorstellen:
Man lebt in einem Haus mit vielen Türen und Fenster. Somit hat man Sicherheit und Kontrolle. Türe und Fenster kann man sich als Filter vorstellen. Man kann selbst entscheiden, wen man reinlässt und wen nicht.

Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Haus wo alles offen ist. Keine Fenster und keine Türen sind eingebaut. Man fühlt sich automatisch unsicher, ängstlich und ausgeliefert. Alles ist unkontrollierbar und man weiß nie was passieren kann. Jeder kann rein kommen. Man muss andere Strategien entwickeln um das abzuwehren, was unerwünscht rein kommt.

Kinder lernen sehr schnell, weil sie offen sind, bis sich der Filter gebildet hat. Alles was sie sehen, erleben, hören, riechen… wird sofort in das Unterbewusste transportiert. Johnatan Chase hat es so beschrieben:
„In den ersten 5 Lebensjahren sind wir permanent hypnotisch offen. Deswegen lernen wir in diesem Zeitraum auch deutlich mehr als in den 20 darauf folgenden Jahren zusammen. Dieser Zustand der Offenheit vermindert sich konstant bis zu einem Alter von etwa 9, wenn das Bewusstsein reift und „erwachsen“ wird."

Was bedeutet „hypnotisch offen“ zu sein?

Zwischen dem Bewusstsein und dem Unterbewusstsein existiert der sogenannte kritische Filter. Dieser fungiert wie eine Art Türsteher. Im Wachbewusstsein filtert er, aufgrund unserer Erfahrungen und Konditionierungen alle Informationen und lässt nur die Informationen ins Unbewusste, welche in sein Schema passen. Das Schema haben wir im Lauf unseres Lebens durch unsere Erfahrungen geprägt.

In der Hypnose wird der Filter zwischen den Bewussten und Unterbewussten aufgehoben und man hat direkten Zugang zu den Unterbewussten.
Hypnose wirkt also immer dann, wenn eine Suggestion unser logisches Bewusstsein umgeht und von unserem Unterbewusstsein akzeptiert wird, ergo, wenn der Filter aufgehoben wird.

Hypnotische Offenheit bedeutet, dass man sich im Zustand hoher Suggestibilität befindet.

Was hat das mit Borderline zu tun?

Aus dem zuvor beschriebenen kann man entnehmen, dass sich aufgrund der Entwicklung, bei Borderliner der Schutzfilter nicht vollständig gebildet hat, was heißt, dass der Filter zwischen den Bewussten und Unterbewussten durchlässig ist.

Diese Fakten machen einiges erklärbar:

Irrationales verhalten: Die Reize von außen können nicht gefiltert werden und ein Borderliner reagiert direkt aus dem Unterbewussten. Deshalb kann er selbst schwer erklären, wieso er sich genau so in gewissen Situationen verhält.
Beispiel:  Der Partner sagt dem Borderliner, dass er später von der Arbeit kommt, wegen eines Meetings. Wenn er nach Hause kommt, wird er beschimpft. Die Information „Ich komme später“ kommt ungefiltert an das Unterbewusste. In dem Unterbewussten wird etwas früher Erlebtes was mit „spät kommen“ zu tun haben, angesprochen und die Bilder, die mit der Realität nichts zu tun haben, kommen ungefiltert zum Vorschein. Vergangene Ängste und Schmerzen werden wieder real. Diese Bilder und Emotionen sind unkontrollierbar.  Das Unterbewusste unterscheidet nicht zwischen Realität und Vorstellung (Phantasie). Es ist nicht steuerbar und für den Borderliner entsteht eine Realität die nicht kontrollierbar ist und er reagiert dementsprechend.

Impulsivität und fehlende Regulation der Emotionen: Da der Filter durchlässig ist, ist es auch schwer die Emotionen zu regulieren. Borderliner reagieren impulsiv ohne es kontrollieren zu können (ungefiltert).

Der aversive Spannungszustand (Reizüberflutung) wirkt als modulierender Faktor auf den impulsiven Antrieb und auf die Impulskontrolle und führt somit zu einer erhöhten Impulsivität, die dazu beiträgt, dass die fehlerhafte kognitive Analyse verstärkt wird. Da man die Reizüberflutung nicht „kontrollieren“  kann, treten starke Anspannungszustände bzw. emotionale Überflutungen auf, die von den Betroffenen nicht ausgehalten und durch Selbstverletzungen oder andere selbstschädigende Verhaltensweisen beantwortet werden.

Dissoziative Symptome: Stressabhängige paranoide Phantasien oder schwere dissoziative Symptome In schwierigen, unerträglichen Situationen  (Reizüberflutung) gelangen Borderliner in „dissoziative“ hypnoseähnliche Zustände

Spaltung: Die Borderline-Persönlichkeit hat den reiferen Abwehrmechanismus nie erlernen können und bleibt emotional auf dieser Entwicklungsstufe stehen.

Ambivalente und vieldeutige Affekte können nicht zeitgleich wahrgenommen werden. In einem Moment kann nur ein Affekt akzeptiert und nur eine einzige dazu passende Kognition wahrgenommen werden. So wird eine Bezugsperson beispielsweise als ausschließlich liebevoll und beschützend empfunden und bewertet, obwohl die Beziehungserfahrung mit dieser Person auch andere Qualitäten enthält. Zu einem anderen Zeitpunkt wird die gleiche Person dann ausschließlich als angsteinflößend, verächtlich und störend wahrgenommen: emotionale und kognitive „Schwarz-Weiss-Malerei“. Eine zeitliche Integration verschiedener Gefühle, kognitiver Bewertungen, Intentionen, Imaginationen usw. ist nicht möglich.

Beispiel (Spaltung): Ein Kind kommt zu einem Elternteil und wünscht sich Schokolade. Wenn es die gewünschte Süßigkeit bekommt, wird die Person, die das Bedürfnis befriedigt hat, idealisiert. Wenn die Schokolade weg ist und das Kind erneut nach Schokolade bettelt und nun nichts bekommt, dann kommt es zur Abwertung. Dass kurz davor dem Wunsch nachgegeben wurde, ist für das Kind nicht mehr existent.

Verdrängen kann man vom Bewussten in das Unterbewusste und das kann man nur wenn der Filter vorhanden ist. Wenn aber der Filter durchlässig ist, muss man sich den primären Abwehrmechanismen bedienen um sich vor der Reizüberflutung zu schützen.

Zeitgefühl: Wenn der Partner für drei Stunden weg ist, hat der Borderliner das Gefühl es wären "Wochen".

Instabilität: Das Unterbewusste reagiert auf jegliche Reize. Wenn man ein stabiles „Ich“ und einen Schutzfilter hat, kann man stabil in seinen Gedanken und Gefühlen sein, weil sie durch den Filter „kontrolliert“ werden können. Ohne diesen Filter ist es nicht möglich stabil zu sein. Wenn der Filter durchlässig ist, entsteht eine Reizüberflutung. Somit kann man auch die Stimmungsschwankungen, Sprunghaftigkeit, Ambivalenz, keine Möglichkeit zu planen,  Das Gefühl, „anders“ zu sein,  Unsicherheit bezüglich Zukunftszielen, der eigenen Meinung, wichtiger Entscheidungen und Alltagsentscheidungen, Hochrisikoverhalten,  Identitätsstörung, d. h. ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung usw. erklären.

Somit wird auch klar, wieso Borderliner attraktive Eigenschaften und Charme ausstrahlen. Sie sind offen wie Kinder und kommunizieren ungefiltert aus dem Unterbewussten. Da das Unterbewusste viel mehr wahrnimmt (was bei dem Borderliner totales Chaos verursacht), kann er sich innerhalb Sekunden sehr gut auf einen Menschen einstellen.

Es erklärt, wieso Borderliner einen „Elefantengedächtnis“ haben und im Jetzt leben.

Es wird auch verständlich, wieso ein Borderliner kein emotionales Gedächtnis hat.

Zudem wird auch klar, wieso man Borderline nicht mit Logik erklären kann:

Einen Sinn aus dem Unterbewusstsein zu machen ist ein absolut undankbares Unterfangen, denn wenn das Unterbewusstsein logisch wäre, bräuchten wir den logischen Filter des Bewusstseins nicht und wird hätten keine Emotionen oder emotionales Durcheinander in uns. Das Leben wäre äußerst langweilig, völlig ohne jegliche Spannung, Nervenkitzel, Schönheit oder Bedeutung.
Jonathan Chase

Wir alle kennen das: Wir sehen jemanden und er/sie ist uns unsympathisch. Der Mensch hat uns nichts getan; wir kennen ihn/sie nicht mal, aber unser Unterbewusstes hat Etwas wahrgenommen, was wir nicht bewusst deuten können. Da wir aber den Filter haben, zeigen wir es nicht so deutlich. Wir können unser Verhalten und unsere Emotionen regulieren.
Ein Borderliner reagiert in so einer Situation  anders. Er kann es nicht „verstecken“, da er keinen Filter hat und es nicht regulieren kann. Wenn ihm jemand unsympathisch ist, kann er das auch nicht deuten, aber er reagiert direkt aus dem Unterbewussten, mit der offensichtlichen Abneigung.

Es wird auch verständlich, wieso man das Gefühl hat „eine andere Sprache“ zu sprechen:

Während der Kommunikation mit unserer Umwelt ist meist unser Bewusstsein dominant. Es dient als Filter und erlaubt den nützlichen Dingen, dass diese „eindringen“ oder „herauskommen“ dürfen und lehnt den Rest einfach ab.
Jonathan Chase

Dies erklärt die bildhafte Ausdrucksweise die die meisten  Borderliner benutzen und die Gedankensprünge die sie während eines Gesprächs (sie springen von einem Thema zum nächsten) machen.

Es erklärt die Kreativität und die Intelligenz, die Borderliner besonders und außergewöhnlich erscheinen lässt.

Jetzt kann man auch verstehen, wieso dem Borderliner die Kontrolle wichtig ist.

Auch wird es klar, wieso Borderliner leicht zu beeinflussen sind.

Was hat das mit dem Partner und der Beziehung zu tun?

Die attraktiven Eigenschaften und der Charme dieser Menschen sind faszinierend. Genau das spricht die Defizite eines Partners an, weshalb es für ihn sehr schwer ist, dem zu widerstehen. Ein Borderliner kann sich, aufgrund seiner stark empathischen Wahrnehmung, sehr gut und ganz genau auf einen Menschen einstellen. Da er auf der Suche nach einer Identität ist, identifiziert er sich innerhalb kürzester Zeit mit dem potentiellen Partner (projektive Identifikation). Er spiegelt ihm alles, was er haben möchte zurück, samt seiner unbewussten Wünsche (es werden auch negative Affekte und innere Konflikte unbewusst "eingeschleust"). Der Partner erlebt dies als eine unglaubliche Einheit und glaubt an Seelenverwandtschaft. Diese Intensität ist am Anfang der Beziehung sehr schön und auch der Grund wieso der Partner, trotz Schmerz und Abwertung an der Beziehung festhält und sich auch nach der Trennung schwer lösen kann.

Das Unterbewusste des Partners ist durch einen Filter geschützt. In seinem Unterbewussten sind alle Sehnsüchte, Wunden sowie Wünsche aus der Kindheit verdrängt und gespeichert. Diese sind ihm dadurch nicht bewusst. Alles was man jemals erlebt und wahrgenommen hat ist im Unterbewusstsein abgespeichert, verdrängt und durch den Filter geschützt:

"Es ist schon bekannt, dass eine Beziehung irgendwas in einem re-aktiviert...ein ungelöster Konflikt aus der Kindheit, „unausgeträumte Träume“, "geheime" unerfüllte Sehnsüchte, unbefriedigte Bedürfnisse... Beispiele:
…Wenn ein kleines Mädchen von der Mutter ständig angeschrien wird, baut sich eine Traumwelt auf und sie träumt von einen Prinzen, der sie retten kommt; der Junge, der ständig von seinem Vater geschlagen und angeschrien wird, träumt davon groß und stark zu werden, so dass ihn "kein Mensch mehr verletzen kann" und dass alle vor ihm Angst haben.... Es gibt viele Beispiele und viele Träume und Sehnsüchte, die in der Zeit der Abhängigkeit (von Eltern) und Hilflosigkeit entstehen und einen ein Leben lang unbewusst begleiten und steuern."

Solange Sie von einem Gefühl beherrscht werden, ohne es zu wissen, strahlen Sie dieses Gefühl unbewusst aus, und andere Menschen reagieren darauf.
Safi Nidiaye

Was passiert mit dem Partner wenn er mit einem Borderliner „kollidiert“?

Kollusion:  Man geht davon aus, dass Paare sich unbewusst auf bestimmte neurotische Interaktionen „einigen“, um sich gegenseitig vor dem Bewusstwerden und der Konfrontation mit unbewältigten Grundkonflikten zu schützen. Dabei finden sich oft komplementäre Rollenverteilungen, z. B.: “Wenn du so schwach bist, darf ich so stark sein“. Auf diese Weise stellen die Partner auch sicher, dass sie sich gegenseitig ihre zentralen neurotischen Beziehungswünsche erfüllen.

Da der Borderliner die Symbiose sucht, eine totale Verschmelzung mit einem  Anderen „Ich“, weil sein „Ich“ nur fragmentiert entwickelt ist, um ein wenig Stabilität zu erreichen, idealisiert er den Partner und gibt am Anfang der Beziehung alles um diese Stabilität, die Sicherheit und den Halt zu erlangen. Damit hebeln sich alle kognitive Sperren bei dem Partner auf. Ergo, der Filter zwischen den Unterbewussten und Bewussten wird aufgehoben. (Die Ich-Grenze wird verschoben).

Natürliche Hypnose geschieht immer dann, wenn wir uns in hochemotionalen Situationen befinden, wie etwa Angst, Wut oder wir sind Hals über Kopf verliebt bzw. voller Verlangen. In diesen Situationen ist unser Unterbewusstsein dominant und kann daher direkt beeinflusst werden. Jonathan Chase

Der Partner befindet sich lediglich in einem Zustand fokussierter und veränderter Wahrnehmung mit erhöhter Suggestibilität. Der Partner befindet sich in einem hypnotischen Zustand (Hypnotische Offenheit).

Hypnose tritt „natürlich“ ein, wenn wir uns in einem Zustand befinden, in dem die Logik aussetzt und unser Bewusstsein – und oft auch unser Gewissen – nicht mehr dominant sind.
Normalerweise handelt es sich hierbei um Situationen, in denen unser normaler Fokus sich verschiebt und wir nicht mehr denken, sondern nur noch handeln. Es sind die Situationen, in denen wir uns hinterher fragen: „Warum habe ich das bloß getan?“ oder: „Was habe ich mir dabei nur gedacht?“

Zu diesen Zeiten ist das Unterbewusstsein dominant. Mit dominant meine ich, dass dieser Teil des mentalen Ablaufs die äußeren Reize aufnimmt und ausschließlich drauf reagiert.
Jonathan Chase

Hypnose wirkt immer dann, wenn eine Suggestion unser logisches Bewusstsein umgeht und von unserem Unterbewusstsein akzeptiert wird.

Am Anfang der Beziehung löst sich der Filter und die Suggestionen in Form der Idealisierung fließen in das Unterbewusste: „Du bist das Beste was mir passiert ist“; „Mit niemanden war es so intensiv und schön“; „Ich werde Dich immer lieben“; „Du bist was Besonderes“; „Mit Dir will ich mein ganzes Leben verbringen“ usw.

Da das Unterbewusste offen ist und man sich in einem starken emotionalen Zustand befindet, docken diese Suggestionen in Form der extremer Idealisierung an die alten, unverarbeiteten Sehnsüchte und Wunden an und man fühlt sich „endlich angekommen“. Man hat das Gefühl seinen Seelenverwandten gefunden zu haben. Man fühlt sich ganz!

In solchen Momenten erschafft sich der Borderliner ein wenig Sicherheit und Halt. In diesen Moment glaubt der Borderliner selbst an das was er sagt und empfindet. Er ist glücklich, weil sein Unterbewusstsein ein bisschen Ruhe, Halt und Stabilität  gefunden hat (einen Fixpunkt), was leider nicht lange dauern kann.

Das ist die Situation die man mit einem hypnotischen Anker vergleichen kann. In diesem Fall, wird der Borderliner zum „Anker“ für den Partner.

Was ist ein hypnotischer Anker / Trigger?

Ein hypnotischer Anker (posthypnotischer Anker) ist die Verankerung einer hypnotischen Wirkung an einer bestimmten Situation oder einem bestimmten Auslöser. Im Grunde ist ein hypnotischer Anker die Konditionierung auf einen beliebigen Reiz, wie man es aus der klassischen (Konditionierung) Psychologie kennt. Ziel ist es mit Hilfe eines bestimmten Reizes ein bestimmtes Gefühl oder eine Reaktion im Körper auszulösen. Die Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten ist dabei nahezu unbegrenzt.

Ein einfaches Beispiel für einen Anker ist ein bestimmtes lang nicht gehörtes Lied, welches gerade im Autoradio läuft. Es führt unmittelbar dazu, dass man sich in eine Situation zurückversetzt fühlt, in der man das Lied oft und viel gehört hat. Hierbei handelt es sich um einen typischen Anker: eine Sinneswahrnehmung (lange nicht gehörtes Lied) führt unmittelbar zu einem emotionalen Zustand (fühlen wie in einer bestimmten Situation "damals"). Ähnliche Verbindungen können visuell, durch eine Berührung, einen Geruch oder einen Geschmack ausgelöst werden.

Was heißt es genau für den Partner?

All seine unbewussten Wünsche sind auf einmal erfüllt worden. Suggestionen sind stark im Unterbewussten verankert, was der intensive emotionale Zustand noch verstärkt hat.
Wenn der Borderliner sich dann (meistens abrupt) trennt oder sich anscheinend ohne Grund zurückzieht, bleibt der Partner verzweifelt zurück. Der Partner spürt einen Schmerz, den er bis dato noch nie gespürt hat. Die Trennung schmerzt und die Psyche befindet sich in einem Ausnahmezustand. Man fühlt sich machtlos, hilflos und allein gelassen. Man fühlt sich wie durch eine Achterbahn geschleudert und hofft dass dies endlich aufhört. Man fühlt  sich ausgebrannt und leer. Es ist ein Schmerz der kaum auszuhalten ist.
Der Partner fühlt sich nach der Trennung selbst instabil und ambivalent; hilflos und ausgeliefert, was damit zu erklären ist, dass der Filter durchlässig wurde und das Unterbewusste und alles was verdrängt ist, einen Chaos verursacht und die Psyche ist deshalb in einem Ausnahmezustand.

Wie kann man das erklären?

Der Partner bleibt mit einem „halboffenen“ Unterbewusstsein zurück:
„Mein Kopf sagt, dass mir diese Bindung nicht gut tut, aber ich will zurück“
„Meine Gedanken drehen sich nur um meinen Borderliner“
„Ich habe so was intensives noch nie erlebt“
„Ich werde nie mehr so lieben können“ usw.

Die alten Wunden, die aufgerissen worden sind, werden wieder aktiv. Der neue Schmerz vermischt sich mit dem Alten. Positive Suggestionen sitzen so tief, dass wenn der Borderliner zurückkommt, der Partner nicht nein sagen kann. Alles Schlechte wird sofort ausgeblendet und alles „ist wieder gut“. Hauptsache der Borderliner ist wieder da.

Und nach der endgültigen Trennung ist dies der Grund, wieso es so schmerzhaft und schwer ist sich zu lösen! Nur ein Wort vom Borderliner bringt den Partner in eine Ausnahmesituation. Der Borderliner wirkt wie ein Anker. Nur eine Nachricht, die Psyche des Partners „spielt wieder verrückt“. Man blendet alles Negative aus, weil die extrem positiven Suggestionen so fest verankert sind, dass es schwer ist sich wieder zu lösen. Somit wird der Borderliner zu dem lebendigen hypnotischen Anker.

Somit ist auch das Phänomen „Borderliner melden sich wieder in dem Moment wenn es den Partner angefangen hat besser zu gehen“ zu begreifen, weil eine tiefe Bindung in Unterbewussten stattfindet. Wenn man sich mit dem Unterbewussten auskennt und über die enorme Kraft dessen Bescheid weiß, dann versteht man wieso das passiert.

Ich habe viele Borderliner gefragt, wieso sie sich nach einer gewissen Zeit melden. Antworten sind immer unterschiedlich, aber eins ist bei allem gleich: Es kommen innere Bilder des Ex-Partners zum Vorschein und der Partner ist auf einmal ganz präsent. Manchmal ist es eine unerklärliche Angst oder Schuldgefühle was der Borderliner spürt und er hat den Impuls sich zu melden; manchmal ist das Gefühl da, als wenn etwas verloren gegangen ist. Es kann auch passieren, dass sich der Borderliner gerade alleine fühlt und Sehnsucht verspürt, die er dann mit dem Partner in Verbindung bringt. Das Interessante dabei ist, dass der Borderliner sich dann so verhält, als wenn die Trennung „gestern“ geschah, auch wenn Monate und manchmal auch Jahre dazwischen liegen…aber wie schon erwähnt–das Unterbewusste hat kein Zeitgefühl.

Dieses Erklärungsmodell macht begreiflich, dass Borderliner unterschiedlich sind, bis auf die Verhaltensweisen und Mechanismen die sie benutzen. Sie sind verschieden und reagieren unterschiedlich, weil die Inhalte und Erfahrungen in dem Unterbewussten und somit die Trigger-Punkte sich unterscheiden.

Das Unbewußte ist kein dämonisches Ungeheuer, sondern ein moralisch, ästhetisch und intellektuell indifferentes Naturwesen, das nur dann wirklich gefährlich wird, wenn unsere bewußte Einstellung dazu hoffnungslos unrichtig ist. In dem Maße, wie wir verdrängen, steigt die Gefährlichkeit des Unbewußten.
C.G. Jung

© Suzana Pavic / Juli 2015